Dt. Ozean. Die ältesten
Griechen stellten sich wie altorientalische Völker den Okeanos als
einen die bewohnte Erdscheibe umgebenden Strom, erst später - nach
der Entdeckung der fast völligen Geschlossenheit des Mittelmeers (bis
auf Gibraltar, die "Säulen des Herakles")
- als das die Kontinente umgebende, oder von diesen selbst umgebene große
Weltmeer (das "äußere Meer" im Gegensatz zum Mittelmeer, dem
"inneren Meer") vor. Diese Alternative hinsichtlich der Verteilung von
Land und Meer auf der Erdoberfläche wurde nach der Entwicklung der
Theorie der Kugelgestalt der Erde aktuell und ist uns schon bei Platon
und Aristoteles greifbar. Auf Grund der Entdeckung des Einflusses des Mondes
auf Ebbe und Flut sah man den Okeanos als Vermittler zwischen den Gestirnen
und der Erde an (Weltsympathie). Im bzw. am Okeanos lokalisierten die Griechen
seit Homer eine Reihe phantastischer Inseln, Länder und Völker.
Nach der ältesten genealogischen Spekulation
der Griechen soll Okeanos ein Titan, Sohn des
Uranos und der Gaia und
der Gemahl der Thetys gewesen sein, mit der er
die Flüsse und Okeaniden zeugte. |